Biennale 2026 in Venedig, Titel „Minor Keys“, kuratiert von Koyo Kouoh: Drei Tage lang wandelte ich durch die Weltkunstausstellung. Viele Eindrücke zogen mich tief in ihren Bann – und Nachdenklichkeit blieb.
Da die Biennale-Jury zurückgetreten ist, sind nun die Besucher eingeladen, Votings für die besten Beiträge abzugeben. Für mich persönlich standen viele auf gleicher Ebene und eine Auswahl ist nahezu unmöglich. Dennoch traf ich eine Entscheidung – und stimmte für den Künstler Eric Baudelaire (geb. USA, lebend in Paris) und seinen Videobeitrag „The rose in my mouth“, sowie für den japanischen Pavillon.
The rose in my mouth (Eric Baudelaire, geb. USA, lebend in Paris): Dass es ein Videobeitrag auf fünf Kanälen sein würde, der mich zu diesem Voting brachte, ist überraschend – denn Videos fanden sich in fast allen Räumen, sodass ich sie mitunter eher als Hintergrundflimmern wahrnahm. Hier aber zog mich etwas hypnotisch hinein – und nicht nur mich allein. Das Video thematisiert den Milliardenmarkt des Blumenhandels. Fabrikgeräusche (tak-tak-tak…), riesige rollende Wägen und ein plötzlicher Bildschwenk hin zu Menschen, die draußen auf einen Bus warten … Szenen wechseln. Rosen werden Reihe an Reihe auf Fließbänder gelegt, in mutig langsamer Bildfolge. Intensive Momente des Verstehens und der Berührtheit folgten …
Japanischer Pavillon: Ich ging mit einem 4 Kilo schweren Baby mit Sonnenbrille durch eine Ausstellung, sah mit ihm einen Film, in dem u. a. Vandana Shiva vorkam. Protest …. Babies auf Gerüsten … ich wickelte das Kind am Ende des Rundgangs durch Babyland und machte eine persönliche Erfahrung. Mein Voting geht unter anderem zu diesem Kunstwerk, weil es neben all dem ausgelösten Erlebten und Gang durch Ruinen unserer Welt ein Schmunzeln in mir erzeugte.
Humor auf diesen Moll- und Nichtmoll-Arealen fand ich auch im französischen Pavillon. Aufatmen … und vielleicht Heilen im Sinne des Anspruchs von Minor Keys. Ob die Ausstellung dem Titel rundum genügte, sei dahingestellt (der Tod von Koyo Kuoah hat Spuren hinterlassen …), aber ich fand mich in einem Versuchs-Labor, das in unsere Zeit hineinpasste.
Was hat der Begriff der Sozialen Plastik mit alledem noch zu tun? Ich sehe Kontinuität, einen Bruch und auch einiges „in between“. Die Biennale als ein Ort, wo Fragen von Kunst und Gesellschaft zum Ausdruck kommen, eine Weltbühne erhalten. Erweiterter Kunstbegriff. Aber ein Lumbung fehlte.
Die KI kam kaum vor auf der Biennale. Warum? Weil die Ausstellung Hoffnung, Poesie, Schönheit und Stille statt Tragödie und Anklage erzeugen und vermitteln möchte? Ja, für winzige Sekunden spürte ich tatsächlich so etwas wie ein „Auferstehungsgefühl“ – auf der Insel Venedig und der Kunst …
























